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Dienstleistung – der performative Akt

Urbanität heißt zunächst: bester Zugriff zu allen Diensten.
Das Lebensgefühl "Stadt" will Vielfalt, will kurze Wege, will Infrastruktur für alle Wünsche, will den Kiez, will anonym sein und instant gratification. Wo das nicht der Fall ist, greift der Vorwurf des Provinziellen. Die Ansprüche widersprechen sich nicht selten und müssen verhandelt werden. Zu viel Stadt bedeutet Streß, zu wenig macht Langeweile. Wohnen, Arbeiten, Feiern, Kultur zu völlig heterogenen Ansprüchen einblenden, ausblenden, nutzen, abgrenzen, mitnehmen, übersehen, aufspüren, vernachlässigen, durchsetzen. Veränderungen sollen dabei nachvollziehbar sein, damit kein "Urblag" aufkommt und das Heimatgefühl nicht in ständiger Neuorientierung verdampft.

So streiten sich die angesiedelten Parteien bei jeder größeren Veränderung um die Um- und Aufwertungsmodi: individuelle Nutzungsvorstellung vs. merkantile Nutzungsideologie, wo liegt die "winwin"-Situation begraben? Gerade in der Stadt, Hochburg der Konkurrenz (des zusammenlaufens und zusammenstoßens: concurrere), gilt: Ein Gewinner macht meist zu viele Verlierer.

Redaktion Ulrich Mattes

bunt, heimatlich, fremd, anonym, beweglich, witzig, möglich, gegensätzlich, laut, schlaflos, gleichgesinnt, hungrig, satt ...

Aber zurück zu den Diensten: Als vielleicht die universelle Urform der Dienstleistung könnte man den Witz bezeichnen. In kaum einer anderen Aktion werden die Grundbedingungen uno-actu und instant gratification ausdrücklicher praktiziert. Mit einem gutem Witz ist in jeder Situation eine Leistung zu erbringen, die Anerkennung einerseits und Gemeinschaft andererseits schafft. Danach ist nichts mehr wie zuvor. Der gelungene Witz funktioniert wie eine "Reset-Taste", die eine andere Ebene installiert. Ein guter Witz ist an sich eine Art Alleinstellungsmerkmal, das sofortigen Erfolg garantiert. Wenn "etwas" (eine Handlung oder eine Sache) "Witz" hat, darf auf deren Beachtung gerechnet werden, sie spricht sich herum, sie wirkt ansteckend ... über die gesamtgesellschaftliche Verträglichkeit sagt das aber nichts - konsultieren Sie ihren Arzt oder Apotheker.



Es ist schon ein Weilchen her, dass sich die Aufregung über den ersten innerstädtischen IKEA in Altona Bahn gebrochen hat. Die Mieten sind entlang des gegenüberliegenden "Bürgersteigs" bereits drastisch gestiegen und die Baugrube wird nun langsam befüllt. Vorab das dekorierte Schauwohnen zu testen muß also außerhalb stattfinden – bei Möbel Kraft in Bad Segeberg ...

Attribution / Dekoration / Stabilisation (ADS)

Was ist am Dekorieren politisch? Ist es überhaupt eine Dienstleistung? Beim Gang durch die Etagen von Möbel Kraft Bad Segeberg im 3. Stock links vom Eingang zum Restaurant, am Sonntag von einer großen Zahl vorwiegend älterer Menschen besucht (wirklich preiswertes und mit Kundenkarte nochmal ziemlich rabattiertes Essen), finden sich die Schlafzimmer. Viele Accessoires auf den Nachttischen. Große Vasen lassen erst gar keinen Gedanken aufkommen, zuhause könnte da eine Leerstelle entstehen. Und natürlich Fotos von adretten Menschen – auch ein Säugling dabei. Glaubhaft sind sie aber nicht. [ mehr ]



... die Rahmen für den Rahmen ...

Neues von Scaltan

Neulich in Ruhrort, Donnerstag, mit kleinem Publikum: Der Traditionsstadtteil im Norden von Duisburg ist mit historischen Fakten gepflastert. Eine weitere Erschließung geht also eher ins Private, von Mensch zu Mensch, zu Erzählungen, die für eine vertraute Zuhörerschaft bestimmt sind.

So gehen wir durch den Stadtteil, lauschen einander und bringen die zuvor gebastelten Schalter dort an, wo ein privathistorisches Ereignis geplauscht wird ...

Die gesamte Projektdoku gibt es dort ...


[ Bilderschau ]

Bach in der Badeanstalt ...

Für die alten Badeanstalten (inkl. Banja), dort wo sich die "russische Seele" traditionell erholt, ist kein Geld da, im Reich von Zar Putin. Da kommt der mich per Email erreichende Textauszug aus Albert Schweizers Bachbiografie grade richtig, um drunter gelegt zu werden, um das Verhältnis von Kultur und Zivilisation in eine geschichtsbegriffliche Beziehung zu setzen – zumal mich in den letzten vier Wochen mehrere Briefe erreichten, die von völliger Erschöpfung im Akquisestress berichten. Zur Entspannung empfehle ich, sich in Renaissancen zu ergehen ... oder sich mit den Inhalten des Buches Hyperaktiv von Christoph Türcke zu identifizieren, das momentan in allen Medien besprochen wird.

Bildzitat oben:
[...] wie er sich nun gar an Festtagen behelfen könne, wo Kantaten in beiden Kirchen zugleich aufgeführt werden sollten? Die neuere Kunst erfordere viel bedeutendere Mittel als die "ehemalige Art von Musik, die unsern Ohren nicht mehr klingen will". Darum hätte man die für die aushelfenden Studenten bestimmten Gelder eher vermehren als verringern sollen. Überhaupt sei es Brauch, die deutschen Künstler nicht zu honorieren und sie den "Sorgen der Nahrung zu überlassen", da denn mancher vor solcher Sorgen "nicht dahin denken kann, wie er sich in der Kunst weiterbilde". Der Schluß sei "demnach leicht zu finden": würde immerfort an den Subventionen gestrichen, so wisse er nicht, wie er "die Musik in einen besseren Stand setzen könne".



Christoph Türcke diagnostiziert die hyperaktive Gesellschaft, die an ADHS leide ...

Johannes Streif von ADHS Deutschland e.V. findet, dass das alles kein Grund zur Sorge sei ...

Öfter mal die Sitzgruppe wechseln

Ich möchte nur hier sitzen.
Aber natürlich nicht immer an der selben Stelle.
Ein Widerspruch? Nein: Eine Gesellschaftsform!

Die Invasion der Möglichkeitsformen für jedwede Befindlichkeit offenbart sich mir auf einem Landgrundstück. Die Sitzgruppe als Duftmarke an allen Ecken, weitere sind in Arbeit. "Das ist ja schön, wie ihr hier sitzt", sagt die Eigentümerin, weil sie sich ja selbst nie hier sitzen sehen kann und so durch die unerwartete Aktivität der Spiegelneuronen auch für's eigene Sitzen wieder neue Ansichten gewonnen hat. Sie betreut ihre eigenen Sitzgruppen auf der anderen Seite des Gartens.

Wenn man Gesundheit mit dem Begriff der Wahlfreiheit zusammen bringt (Anke Engelke wurde beim European Song Contest zu Baku ja deutlich: "Wir auf der Reeperbahn haben gewählt; schön, wenn man die Wahl hat.") dann ist die Produktion von Möglichkeitsformen oberstes Gebot! Das erzeugt Möglichkeitsdruck. Wer keine Nische (keine Lebensabschnitts-Sitzguppe) findet, hat schwer zu knabbern. Ist die Sitzgruppe gar weltliches Symbol der Hoffnung auf einen diesseitigen Platz im Paradies? "Kommt auf die Sitzgruppe an," wird mir von der Seite geflüstert, "und wem dazu nix einfällt, der hat wohl eine Sitzblockade."


[ Bilderschau ]

Im realräumlichen fand neuerdings ein großer Streit um die Ausdehnung der (mehr oder weniger) bewirteten Sitzgruppen in den Straßen von Altona statt: Die Verwaltung befand, dass auf den Bürgersteigen zukünftig zwei Meter statt einsfünfzig sitzgruppenfreier Verkehrsraum freizuhalten sei. Auf großen Druck der sitzwilligen Bevölkerung musste der Beschluss weitgehend zurückgenommen werden. In einigen an sich geschlossenen Geländen für Demenzkranke werden Sitzgruppen im Bushaltestellendesign errichtet, denn den Bewohner_innen ist die Mobilität einfach nicht auszutreiben. Dass der Bus nicht kommt, ist dabei nebensächlich. Und auch in der Politik: die Piratenpartei formuliert sich in der Hauptsache darüber, zukünftig und im einzelnen ein Programm erst noch zu erarbeiten – und diese Möglichkeitsform hat große Resonanz.

Das Schaukelpferd – Cruisen

Draußen ist wieder Saison. Wo zu wenig Raum in der Fläche zur Verfügung steht, empfiehlt es sich, karussellartiges zu installieren. Laut Paul Virilio, dem Philosophen der Dromologie, verpuppen wir uns gerne gegen die Anforderungen der Welt durch Kreiselbewegungen. Nicht nur der Tanz ist dafür ein performatives "Medium". Das manipulative im Kreise führen von Diskursen, die uns angeblich keine andere Wahl lassen, als die rhetorisch intendierte, dürfte eine "dromologisch" inspirierte Technik sein. Derart argumentativ durchgekreiselt, kämpfen wir während des täglichen Informationskarussells gegen den Schlaf.

Und glauben Sie nicht, hinter einem gefederten Schaukelpferd auf einem üblichen Spielplatz stünde nur der Gedanke der Bewegung und der spielerischen Freiheit ... [ mehr ]


Das Schaukelpferd, das in vielen Weihnachtsliedern und -Gedichten vorkommt, gilt auch als Symbol für unerfüllte und unerfüllbare Wünsche. Verständlich: Es ist darauf ein leichtes, sich die Flusen aus dem Kopf zu schaukeln oder - wie in der obigen Abbildung - eine Ersatzbefriedigung damit zu markieren.

[ Bilderschau ]

Marketing und andere Infodienste

Wettbewerb im produzierenden Gewerbe ist das eine, Marketing zur Imagebildung das andere. Marketing wird nur noch selbstironisch Verbraucherinformation genannt. Das Hauptanliegen der Bewerbung auch ganz klassischer Produkte ist nicht mehr die Dienstleistung, sondern die Zerstörung des Qualitätsdiskurses. Mit der kriminellen Energie eines Kunstfälschers bezieht das Marketing alles in seine Kampagne ein, das als Anker für die eigene Sache dienlich scheint – Hype im viralen Marketing ...

Eklektizisten, Epigonen, Fälscher ...
Namedropper, Zitierer, Respektsbekunder ... [ mehr ]


Ruckzuck ist Adbusting ("Advertising Busting": das kritische Verändern bis Zerstören von Außenwerbung) in die korrupten Jahre gekommen ... "converse!"

[ Bilderschau ]

Scaltan - der Schalter

Dienstleistungen zeichnen sich (das "Reinheitsgebot") durch das uno-actu-Prinzip aus; bedeutet: das Erbringen und Konsumieren findet in einem Akt statt, ist also performativ.

Das Bedienen eines Schalters fasziniert schon die Kleinen. Ein, aus, ein, aus ... instant gratification, das uno-actu-Prinzip. Hier finden Sie eine Bastelanleitung für einen Schalter, der als Selbstzweck überall angebracht werden kann.


Bilderschau
von Ritter Scaltan unterwegs! ...

Neulich ruft mich ein Sammler an und fragt mich, ob bei seiner Soft Sculpture, so einem Riesenlichtschalter, nun eigentlich die Schalter nach oben oder nach unten zeigen sollen.
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[ Bilderschau ]

Ist doch ganz gleich, sage ich ihm. Mal so, mal so, mach’s, wie du willst. Die Skulpturen verändern sich, das sollen sie. Die Leute sollen sie wenden, niederdrücken, drehen, so viel sie wollen. - Claes Oldenburg im Interview | Die Zeit.

[ map ] Grenzwerte performativ

Die Fenster zumauern muß nach Abschaffung der Fenster- und Gardinensteuer niemand mehr. Und auch der Blick durchs Teleobjektiv hat im Zeitalter des Cyberspace kaum noch Bedeutung für einen heimlichen Zugriff auf Privates. Die schiere Harmlosigkeit der nebenstehenden Bilder kann grade noch ein paar philosophische Fragestellungungen illustrieren:

Keine Gardinen, die eine Struktur vorgeben, sondern dunkle Spiegelflächen. Eigentlich könnte man schon rein gucken, tut man aber nicht. Wenn aber die Sonne auf die Fassade der gegenüberliegenden Seite des Innenhofs fällt, ergeben sich Spiegelungen, die den Fotografen in Versuchung führen. Die Spiegelungen wahren die Grenze zum Privaten, denn sie zeigen das Gegenüber, also das Haus des Fotografen ... diesen ästhetischen Sachverhalt kann man auch schon mal nutzen, um sich weiterführende Gedanken zu machen bzgl. dessen, was sich im Auge des Betrachters ...

Was wäre, wenn diese Fotos auf der Gardine des Fotografen erscheinen würden? Würden die Fensterbesitzer ihre Fenster überhaupt erkennen?

Die schmuckhaften Freisteller und die Projektion


[ Bilderschau ]



Der Wachdienst

Keine Diensleistung läßt sich so voraussetzungsfrei günstig installieren wie ein Wachdienst. Einerseits ausgestattet mit performativer Macht, fristen die Bewacher in der Mehrzahl eine Existenz am Mindestlohn oder darunter. Parkhauswächter, Portier, Museumswächter, die Klassiker, wenn dringend noch was dazuverdient werden muß.

Und es gibt viel zu bewachen. Vordergründig handelt es sich dabei meist um handfeste Objekte. Hinter jedem Objekt findet sich eine ideologische Haltung, ein Lebensstil, eine Ressource, die bewacht wird. Die "Aufpasser" sind nicht immer Frauen und Männer in Security-Outfit und die Kampagnen der Bewachung beginnen nicht erst bei den Gated Communities, bewacht wird vor allem medial. Nehmen wir eine Skulptur im öffentlichen Raum: ob ästhetisches Repräsentationsmodell, ideologisch überhöht oder einfach nur trendsetting, wacht sie über einen kulturellen Sachverhalt. Dabei ist sie nicht selten ungeliebt, wird handgreiflich angegangen, in Material gegossene Geisteshaltung mit angegliederten Revier- ansprüchen. Das Problem verschärft sich, wenn eine solche Skulptur historisch widersprüchlich dennoch als Denk- oder Mahnmal erhalten werden soll. Die "Bewachung" dient dann der Erinnerung an einen historischen Irrweg ...

Demnächst mehr zu diesem Thema ...


Nicht immer ist es so offensichtlich, dass "Kunst" eine Ideologie oder einen Zeitgeist bewacht ... Bildquelle: KMJ | de.wikipedia

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