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Auftritt, Kulisse, Theater, sakrale Ränder

Spricht man vom "öffentlichen Leben", bleibt die Frage nach der Qualität der "Bühne" nicht aus. In wie weit eignet sich der städtische Raum für "Auftritte", für das "veröffentlichen" der eigenen Person? Und sind heute unter der "Tyrannei der Intimität" (Richard Sennett 1974) überhaupt noch darstellende Formen des bedingungslosen Auftretens im Öffentlichen und außerhalb der institutionalisierten Bühnen der Kunst, der Politik und des Sakralen ein Thema?

Für jede_n von uns erfolgt der "Auftritt" beim Verlassen der eigenen vier Wände. Für den kurzen Ausflug gibt es den Balkon. Für den Ausflug in den öffentlichen Bereich geht's durch die Haustüre - für die meisten Bürger_innen unvermittelt, denn großartige Entrees zwischen dem Privaten und dem Öffentlichen sind nur wenigen vorbehalten. "Otto Normal" schleicht sich meist unbemerkt aus einem dunklen Eingangsbereich nach draußen, und derselbe Eingangsbereich dient nicht selten als Spontanklo Dritter oder als Schlafplatz für Obdachlose. Wo und wie findet also heute der bürgerliche "Auftritt" als Einzelperson statt?


Motivation, Plattform vs. Funktionsraum, private clouding, lonely island in public space, die erste Reihe und die billigen Plätze ...

Ein eindrücklicher Auftritt setzt Kulisse voraus. Wem sind die architektonischen Kulissen der Metropolen zugedacht und sind sie mehr als Potemkinsche Bauten für Hochglanzmedien?

Welche darstellenden Formen der Kommunikation im öffentlichen Leben werden hierzulande eigentlich praktiziert? "Auftritt" ist immer auch "Zugriff" auf den gesellschaftlichen Diskurs. Außerhalb geschlossener Veranstaltungen (von denen dann wieder im Fernsehen berichtet wird) findet dieser heute hauptsächlich als Demonstration oder Flashmob statt, läßt man einmal die Faschingshochburgen außer acht.

Hier aber soll der Auftritt des Einzelnen im Mittelpunkt stehen, das Verlassen der privaten Insel ...

Builders Tea

... frisch gemauert.

Wer will fleißige Handwerker seh'n?
Der muß zu uns Kindern geh'n!
Stein auf Stein, Stein auf Stein:
Das Häuschen wird bald fertig sein.

Dieses Kinderlied ganz hinten im Kopf versteckt, geht es ans Mauern. Backstein nach Backstein. Am besten wird’s auch im Aquarell, wenn man sich an die tatsächliche Aufmauerreihenfolge hält, ansonsten wird es zwar bunter und irgendwie lebendiger, aber eben auch schief und allzu illustrativ.

Mauern pur also. Probleme mit Fenstern und Türen? Es fehlt noch an Recherche, sage ich mir. Ich kann ja wieder Durchbrüche machen, digital nachbearbeiteter Bauweise sei Dank. Oder fehlt es gerade am Wunsch zur Durchlässigkeit. Sich einmauern kann ja mal ganz erholsam sein. Erstmal nur Innen sein. Schutzraum Kunst?

Und nun zur berühmt-berüchtigten Vierten Wand zwischen Bühne und Zuschauer. Manchmal frage ich mich, ob es nicht für alle angenehmer wäre, diese nicht imaginär, sondern handfest, backsteinreal vielleicht, mit zu inszenieren. Das peinlich berührte Gefühl auf beiden Seiten, wenn diese imaginäre Wand ganz unvermittelt durchbrochen wird. Bloß nicht in der ersten Reihe sitzen! Nachher ist womöglich noch Mitspielen angesagt, oder umgekehrt: du spielst jemanden aus dem Publikum an und es schreibt sich wider alle guten (dramaturgischen) Vorsätze ein beiderseitig stummes „Na toll!“ in die Gesichter.

Nach dem Applaus bisweilen eine Premierenfeier, nicht nur die Gelegenheit, um (möglicherweise verzweifelt) Kontakte zu schmieden – oder zu verderben. Nein, da darf auch das geneigte Publikum Darsteller und Macher rollenbefreit premierenfeierprivat gucken, in kontrollierten Abständen die Vierte Wand einreißen. Es sollen schon Darsteller den Hinterausgang genommen haben, um dem zu entkommen.

Aber zurück zu den Mauern.

Vorerst zum eigenem Schutz ohne Fenster und Türen, am besten ohne Anfang und Ende, also im Kreis: ein Schlot, kreisrund.

Rauchend? Ein Zeichen von Betriebsamkeit! Keine Pause erlaubt? Zu ideologisch, lieber weg damit. Die sozialistische Version des Brandenburger Stadtwappens zeigte unter anderem rauchende Schlote. Die des lokalen Stahlwerks. Heute raucht‘s da nicht mehr und das Wappen passte so eh nicht in die neue, grün zu waschende Zeit. Also her mit dem Wappen von vor 1950.

The show must go on, ich maure erst mal weiter, bis mir was besseres einfällt. Auf der Mauer tanzen, bis ich wie Humpty Dumpty runterfalle?


[ Bilderschau ]

Humpty Dumpty sat on a wall,
Humpty Dumpty had a great fall.
All the king's horses and all the king's men
Couldn't put Humpty together again.

Kein Übermut bitte! Enthaltsamkeit! Trinkt weniger Bier und mehr Tee! Doch selbst wenn der Bürger versucht, sich beim Konsum kritischer Artikel am Riemen zu reißen, lauern Gefahren. Alle diesbezüglich Willigen erwischte es im England des 19. Jahrhunderts kalt: Gern wurde dort der „englische“ Tee gefälscht, mit allerlei Mittelchen heimisches Blattwerk auf Tee getrimmt und besonders gerne mit Kupfer schön gefärbt. Leider schwer verdaulich, doch das Prädikat „english“ stimmte (im Gegensatz zum „echten“ Tee, der ausschließlich aus Indien kam).

„What an injustice it was that sober men and women are to be poisoned as a penalty for refusing to get drunk.“

[Friedrich Christian (Frederick) Accum ( 1769-1838), westfälischer Chemiker, in GB lebend, zitiert aus „Swindled- from poison sweets to counterfeit coffee – The dark history of the food cheats“, Bee Wilson]

Bei soviel hintergangener Bekömmlichkeit, stellt sich Trotz ein und der Bürger mauert bei Moralaufrufen. Heute trinkt der Engländer gerne den „Builders tea“, ein mit Milch und viel Zucker aufgegossener schwarzer Tee. Und hierzulande das Feierabendbierchen.



Potsdam – Charlottenburg

Morgendliche S-Bahnfahrt von Potsdam Hbf, Ziel ist Berlin – Charlottenburg. Das übliche Pendeln, etwas beschwerlicher gemacht durch die immer noch gesperrte Strecke um Berlin Wannsee. Also dann eben so.

Erst ist alles wie immer. [ mehr ]





Die Sache Franz Krüger

Die 4te Wand ist ein Begriff aus den Darstellenden Künsten. Sobald eine 'offizielle' Trennung zwischen Publikum und Darsteller installiert wird, taucht die konzeptuelle Frage auf, in wie weit das Publikum Teil der Inszenierung wird oder aber als bloßer Pulk 'Schaulustiger' behandelt wird. Wird das Publikum direkt angesprochen (und bekommt dann gegebenenfalls einen roten Kopf) oder soll es als Voyeur durch ein Schlüsselloch gucken?

Auch in der Malerei gab es (zumindest in der offiziellen Geschichtsschreibung) Brüche, die das Verlassen des geschlossenen Bildraums markieren. Ein bekannter Meilenstein stellen Bilder des Impressionismus dar, bei denen die abgebildeten Personen dem Betrachter frech in die Augen blicken - damals ein Schock für's Publikum. Ein anderer Bruch entstand durch den fotografischen Schnappschuss, der angeschnittene Personen und Szenerien präsentiert und damit die geschlossene (idealisierte) Bildbedeutung platzen lässt.

Nun zur Sache Franz Krüger: Ein samstäglicher Museumsspaziergang ... [ mehr ]


Zum gesehenen Original in der Nationalgalerie Berlin:
Franz Krüger, Parade in Potsdam (Studie), etwa 1830,
Öl auf Karton, 35,5 x 55 cm, Kunsthalle Bremen.

[ Bildnachweis: Wikipedia Commons ]

[ Bilderschau ]

Recovered memories – recovered spaces

Die meisten Innenräume betrachten wir von außen. Was erzählen die Eingänge zu Wohngebäuden über das "Gewicht" der Bewohner_innen im gesellschaftlichen Leben, über die Beziehung zwischen Innen- und Außenraum, die sich die Nutzer_innen als Selbstverständnis zu eigen machen? Welche Fantasien setzten Fassadenzugänge bei uns frei?

Meine Fantasie beginnt dort: Die Architektur von Ein- und Ausgängen entlang der Bahnstrecke zwischen Berlin und Brandenburg, meine Wegmarken – mit dem zugehörigen "Haltestellenklingelton" dieser Linie:




Vorbeifahrt auf der Bahnstrecke zwischen Berlin-Wannsee und Berlin-Charlottenburg.

[ Bilderschau ]

Auftritt – Abtritt

Sennett spricht 1974 (The Fall of Public Man) vom Verlust der Schauspielerei im alltäglichen Leben. Wir stellen uns und unsere Gefühle nicht mehr dar, wie es zur Zeit der parallelen Entwicklung von Codizes beim Theater und beim aufstrebenden Bürgertum war, das begann, einen "öffentlichen Raum" für sich zu definieren, wir zeigen uns einfach nur – mehr oder weniger.

Wie sieht mein Alltag draußen aus?

Gerade erlebe ich eine Stadt, die ich als Tagestourist weil Einwohner des Umlandes zu kennen glaubte, wenn ich jeden Tag dort bin. Ein Ortswechsel plötzlicher Natur, so wie es doch sein soll, der spontane Mensch, der mal eben schnell alles wechselt, Arbeitsstelle, Anschrift und die täglichen Wege. Wie ist das nun also? [ mehr ]


[ Bilderschau ]

Niemand darf sich ...

... an der Rückseite zu schaffen machen

Das Potemkinsche und das Brandenburgische Dorf

Das Brandenburgische Dorf: Eine Fahrt über die Dörfer, vorbei an weißen und leicht angegrauten Fassaden. Obwohl es mitten am Tag ist nicht die geringste Spur von Leben, abgesehen von sich hinter dunklen Fensterscheiben leicht bewegenden Gardinen. Wehe dem, der versucht zu sehen was dahinter ist: Haben sie mir ins Fenster geschaut?
[ mehr ]



Die zerlegte Bühne

... die von der Gruppe conhereos für Allermöhe entworfene Bühne wurde noch am Tag vor der Einweihung "zerlegt". So eine öffentliche Bühne fördert auch die Vorstellungen zutage, die allein am Materialwert der Bauten interessiert sind ...



 
 
 

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