Legende

... conhereos
... Ralf Jurszo
... Eva Ammermann
... Insa Winkler
... Claudia Behling
... Sophie Henriette Barniske
... Mathias Will
... Ulrich Mattes
... Soleyman Rahmati
... Tan Bartnitzki

... ach was


Bewegungskarte

Kalender (Archiv)

scripted islands

Anlandung
Abwege ausschildern
L´alimentation

Folgeprojekte

[ Impressum ] [ AS2012 ] [ Home ]



 
Neubau, Moderne, Leerstand, Spekulation

Der Traum vom Neuen: Nichts ist perfekt und ein/e Jede/r kann sich vorstellen, wie die Welt besser zu bauen wäre. Neu gebaut wurde zu allen Zeiten und das war dann modern. Es werden architektonisch Zeichen gesetzt und man kann sich durch einen Neubau (s)einer Geschichte (vermeintlich) entledigen - zugunsten einer Utopie - wie auch des Fortschritts, wenn es sich um die Reinstallation einer bankrotten Vergangenheit als Neubau handelt. So gesehen ist auch jeder Bau ein Spekulationsobjekt, das die Bedürfnisse der Bauherren möglichst optimal in Szene setzt und die eigene Form der Verbundenheit zur Welt unmißverständlich vor die Nasen der Nachbarn stellt. Das Erstellen von Immobilien (also Unbeweglichem) schafft auf lange Zeit Fakten. Schlechtes Bauen hängt ewig am Bein der Bauherren, mitunter am Bein einer ganzen Gesellschaft. Gutes Bauen hat Sendungsqualität. Dass viele Bauherren dann hauptsächlich den Sendungsgedanken im Blick haben, ohne das direkte Umfeld des Neubaus zu berücksichtigen, führt dann gerne zu schlechtem Bauen. All dem soll hier nachgegangen werden - und auch, wie das mit dem Wünschen nach Erneuerung im Kleinen zusammen hängen könnte.

Redaktion Claudia Behling

planen, wünschen, vorausschauen, beginnen, wachsen, spekulieren, ersetzen, geschichtslos, leer, ragen, sich neu erfinden

Wie sehr sich die Architekturbranche bisweilen selbst auf den Leim geht, mag eine Stuhlgeschichte aus der Galerie der Gegenwart in Hamburg illustrieren. Unter der Verkehrung des modernisitischen Verdikts form follows function zu function follows form hat der Architekt Ungers schwere Stühle für den Veranstaltungssaal entworfen, die allen Beteiligten regelmäßig Rückenschmerzen bescherten. Erst nach dem Tod des Meisters 2007 war es der Museumsleitung möglich, neues und praktisches Mobiliar anzuschaffen, das den funktionalen Bedürfnissen gerecht wird.

[ map ] Der letzte Brief

Der Vater meines Vaters wurde 1905 in Niedersachsen geboren, nach einer Ausbildung als Landwirt absolvierte er eine 4-jährige Ausbildung als Musiker in Gifhorn. 1939 wurde er eingezogen und musste als Gefreiter in der Militärkapelle bei der Besetzung Frankreichs 1940 in Flamanville als Posaunist bei Feldgottesdiensten, mittäglichen Platzkonzerten und Tanzabenden mitwirken. 1942 an der Front in Russland, 20 km vor St. Petersburg wurde das Instrument in die Heimat geschickt und er musste als Soldat kämpfen. In den ersten Februartagen 1943 fiel er in Russland.

Von 1939 bis 1943 korrespondierte er über die Feldpost oder durch "Urlauber", die Briefe der Soldaten mitnahmen, mit seiner Frau Margarete (Grete), seiner Mutter Anna, sowie mit Freunden und Verwandten. Die Briefe an Grete sind erhalten und gewinnen für mich an Bedeutung, da sie als Zeugnis und Erinnerung an meinen Großvater Wilhelm Behling, den selbst mein Vater nie kennen lernte, dienen.

Zudem verfolge ich über den Weg, den er als Soldat ging, von Niedersachsen, Nordrheinwestfahlen, über Belgien nach Frankreich, später über Litauen, Estland und Polen nach Russland die Kriegsgeschehnisse des 2. Weltkrieges.

Die Bunker und Munitionslager auf dem Gelände des ehemaligen Marineartilleriearsenals in Wahlstedt bei Bad Segeberg zitieren einen Teil der deutschen Geschichte und lassen seine Briefe an diesem von Waldpflanzen überwucherten Ort als Dokumente erscheinen.

Am 04.09.1940 gab Hitler den Befehl, London und andere britische Städte anzugreifen. In einem seiner Briefe aus Flamanville vom 06.09.1940 schreibt mein Großvater an seine Frau, seine Mutter und seine Tochter Ilse:

"[...] Hitler hat in seiner Rede den Engländern ja schön die Wahrheit gesagt. Die kommen aber auch viel dort rüber, einer von uns sagte, dass sie bei Hallernsleben viel zu leiden haben. Da haben sie Zigarettenkisten und Seife abgeworfen, darauf stand: ‘Wasch Dich rein, Deutsches Schwein‘. [...]"


Großvater Wilhelm, links der Dame ...


Das Akkordeon war ursprünglich ein Volksinstrument und wurde unter anderem traditionell in Frankreich und Russland gespielt. Als 12-jährige wünschte ich mir ein Akkordeon, mein Großvater mütterlicherseits schenkte es mir. Er kannte Wilhelm Behling, denn sie lebten im selben Dorf. Dieser Großvater wurde nicht eingezogen, denn er arbeitete in einem Bohrturm. Da dieses Instrument für mich eine Verbindung zu meinen Großvätern, die beide Weltkriege erlebt haben, bedeutet, bewege ich mich auf dem von Pflanzen überwucherten ehemaligen Munitionslager in Wahlstedt mit diesem Akkordeon. Zugleich ist durch die Briefe eines Soldaten und durch das Gelände die Brutalität der Deutschen Wehrmacht zugegen, sowie die Rätsel innerhalb einzelner Familien, die durch das Schweigen der Großväter über ihre Kriegserlebnisse die Kinder und Enkel begleiten.

Die Tochter von Wilhelm Behling, meine Tante namens Ilse, tippte die Briefe an ihre Mutter für uns Verwandte ab. Im Eingang des Bunkers in Wahlstedt sitzend, verhandschriftlichte ich diese Version wieder.


... mehr zur Aktion Interieur – Exterieur

Jetzt neu einkleiden

So soll es sein: einen Tag frei nehmen, und im Metropolitanen aufgeregt das Ich neu erfinden - so entsteht Umsatz. Schnell stellt sich heraus, das Unterfangen ist so anstrengend wie geregelte Arbeit. Das andauernde Vergleichen der soziovisuellen Wirkung im Verhältnis zum saisonalen Angebot, das bisweilen sehr provinziell ausfällt, stresst. Richtig: Anziehsachen erworben, die zum Großteil bei der Anprobe das letzte mal getragen wurden.

Würd' ich mir nie kaufen!

Ein Ausflug auf's Land, zu alten Freunden, im Garten helfen und dann auch beim Schuppen ausmisten. Die Kiste für die Kleidersammlung soll weg, "Vielleicht passt dir ja was, probier mal das!"

Ich probier: Kleidungsstücke, die ich im städtischen Geschäft für völlig ungeeignet halten würde, ja, nicht einmal bemerkt hätte.


Am 3. Juni 20.15 Uhr zeigen die 3ten des Öffentlich-Rechtlichen "Landlust TV", die Sendung zur Zeitschrift – aber wir sitzen hier ja mitten drin ...

[ Bilderschau ]

Vom Tunnelblick vorauseilend prognostizierter Fremdwahrnehmung weitgehend unberührt findet sich eine Ausstattung, die bislang nicht zu dem gehörte, was ich mir auf den Leib geschrieben hätte ... das ist neu!

Verwehte Heimstädten

Tierpark Berlin (Ost): Ein Nachmittag Mitte Mai und mitten auf dem Weg: ein Vogelnest. Vom Baum geweht, ohne Inhalt (da haben die Eier aber nochmal Glück gehabt). Das Nest dann eingepackt und mitgenommen als Anschauungsobjekt zum Kindergeburtstag.

Vier Tage später: Gartenarbeit rund um's Atelierhaus, wieder ein Vogelnest, im Efeu, das die Wand bedroht und entfernt werden muss - damit hat auch für dieses Nest die Stunde geschlagen und die Deckung wäre nun ohnehin perdu ...

"Fest mit dem Hasendraht verwoben, jedes einzelne Bauteilchen mühsam angeschleppt", ich bin voller Bewunderung ... "Nun", zwitschert es neben mir, "Vögel haben ja sonst nix zu tun". "Von wegen! Vor Katzen auf der Hut sein, Insekten sammeln, rumbalzen, Eier legen ...". Jedenfalls ein Anlaß, sich über die Dauerhaftigkeit des Nestbaus (nicht nur bei Vögeln) in der modernen Ökonomie und den zunehmenden Relationierungen zum Darwinismus Gedanken zu machen - und plötzlich hat sich mein Zugriff auf die Stadt in einer Weise verschoben, wie es die Flut der Tierfilme nicht vermochte.


Der Zufall verschiebt den Fokus: Ein verwehtes Vogelnest aus dem Tiepark Berlin (Ost), fotografiert auf dem heimischen Teppich ...

[ Bilderschau ]

Ob ich auch mal beim Vermieter nachforsche, ob ich gegen Abfindung dem avisierten Wohnungsverkauf entgegen kommen soll? Gegen später finde ich dann noch eine Menge moderner "Klassiker" zum Thema auf einem bekannten Videoportal, zum Beispiel Eichhörnchen beim Nestbau ...

[ map ] Die Sache mit den Fellen (Nachtrag)

Ausgehend von einer Werbekampagne im Januar 2012 "Sattel um auf saubere Energie! - HAMBURG ENERGIE", bei der in der ganzen Stadt rote Sattelschutzüberzieher verteilt wurden, tragen wir auf zwei Fellen unsere Haut zu Markte und erforschen das Surreale des Alltags ...

Damit die Felle nicht wegschwimmen, bedarf es – so tönen die Sirenen – der Flexibilisierung. Wie die Cowboys im Wilden Westen ein Leben im Sattel, möglichst keine Pause, immer in Bewegung bleiben! Und lahmt die letzte Geschäftsidee: umsatteln, zweites Standbein suchen. Wieviel Druck verträgt "Kreativität". Eine hartnäckig mißgünstliche Meinung attestiert Künstlern Schaffenskraft nur bei nicht zu vollem Magen – ein leerer dagegen studiert nicht gern. "Lebenslanges Lernen" – keine freundliche Aufforderung mehr, sondern die Androhung von Einbußen – erklärt das individuell Neue zum Dauerziel. Wenn wir alle zu Informationsnomaden werden, bekommen die Felle ja wieder zumindest symbolischen Sinn ...


Die Vorlage für den Schnitt aus einer der vielen Hamburgischen Werbeaktionen ...

[ Bilderschau ]

Bei der Arbeit an diesem Skizzenbuch zeigt sich, dass die veränderten Bedingungen der Kunstproduktion und die digitalisierte Architektur der künstlerischen Netzwerkerei ein "Umsatteln" auf neue Formen der Beobachtung und deren Verarbeitung zu dem, was "Kunst" genannt wird mit sich bringen ...

[ map ] ... draußen in Neugraben, 1977

Der Postschlumpf, der Tortenschlumpf, Schlumpfinchen, der Doktorschlump, der Zauberschlumpf, der Bäckerschlumpf, der Gärtnerschlumpf, der Bastelschlumpf, der Brillenschlumpf, der Witzboldschlumpf und Papa Schlumpf ... das Dorf auf Balkonien im Neubau in Neugraben, da war ich acht ...

Ich erinnere mich an den Bautrieb meiner Kindheit und an die wenig bekannte Geschichte der Falkenbergsiedlung ... [ mehr ]


Das Schlumpfdorf auf dem Balkon im Haferacker, Neugraben.

[ Bilderschau ]

[ map ] Neubau Gemeinschaft von Kathrin Milan

Seit 2007 baue ich mit Kindern jeden Sommer in einer öffentlichen Parkanlage in Wilhelmsburg ein Stadtmodell mit ca. 40 cm hohen Häusern auf. Die Kinder bauen mit mir jeden Sonntag im Sommer Phantasiehäuser aus Ytong. Sie kommen aus der Nachbarschaft und spielen hier am Nachmittag oder sie machen einen Schul-Ausflug. Wenn jedes Kind ein Haus nach eigenen Vorstellungen gebaut hat stellen alle Kinder gemeinsam ihre Häuser in dem Stadtmodell auf. Dabei zeigt sich beim gemeinschaftlichen Stadtteil- Modell bauen die Gruppen-Dynamik sehr deutlich und die Fähigkeit der Kinder zu interaktivem Spiel und räumliches Gestalten mit ihren Häusern. Nur 2 Gruppen der insgesamt 21 Gruppen haben letzten Sommer in einem gemeinschaftlichen Prozess eine Stadt mit klarer Struktur gebaut. Auf meine Nachfrage hin bestätigten die ErzieherInnen, dass sie den Kindern im Schul- / Kitaalltag viel Freiraum in der Gestaltung lassen ohne feste Vorgaben zu machen.

Die Kinder der anderen Gruppen dagegen haben sich entweder möglichst weit voneinander entfernte Plätze für ihre Häuser gesucht oder die Häuser dicht nebeneinander gestellt, ohne in der Gruppe miteinander zu interagieren oder auf Hilfen von außen ("Wo ist denn eure Schule? Wo ist dein Elternhaus?") zu reagieren. Oder sie haben in einem schnellen und bisweilen aggressiven Akt ihre Häuser linear nebeneinander oder aufeinander gestellt und dabei oft die Häuser der anderen zerstört.


[ Bilderschau ]

Auch im laufenden "Betrieb" wird die Anordnung der Häuser im Stadtmodell unangeleitet von Kindern aber auch zusammen mit den Eltern im Spiel verändert: Die Häuser werden aneinandergereiht, als Turm gestapelt, entlang der Strassen aufgereiht. Durch den offenen Spielplatz bleibt das Thema täglich präsent und hilft den Kindern anhand des Modellbaus Auseinandersetzungen zu führen und mit konkreten Vorstellungen zur eigenen Bewegung in der Stadt zu entwickeln.


... ab wann ist "Neues" neu?

Als Neubau bezeichnet man hierzulande alles, was nach 1949 / 1950 hochgezogen wurde. Weitere Kriterien, so lese ich, sind eine lichte Raumhöhe unter 3 Meter, eine Bauausführung in Beton und bei Umbau bzw. Sanierung eine Erneuerung der Bausubstanz um mehr als 40 Prozent.

Nebenstehend zur Diskussion und ständig ergänzt eine kleine Auswahl von Bauwerken, die in den letzten Jahren neu enstanden sind ... nach den ästhetischen Regeln vergangener Epochen.

Ergänzend eine kurze historische Diskursübersicht zu Fälschung, Eklektizismus, Plagiat ...


Das Störtebeckerhaus in HH-Hamm, Ecke Borstelmannsweg / Süderstraße, unvermittelte Innenstadarchitektur mitten im Industriegebiet, fertiggestellt im Juni 2005 ...

[ Bilderschau ]

Baustellenbesichtigung

Am Sonntag interessierte mich ein Abstecher in den neuen Hafenstadtteil. Mit dem Fahrrad die Palmaille, den Fischmarkt und den Pudelclub streifend, sahen mein Begleiter und ich eine gigantische Werbefläche auf der Elbe schwimmen, auf der ein Name prangt, der aufgrund seiner Schiffssammlung und deren Präsentation im neuen Museum im Hafen vor drei Jahren noch sehr umstritten war. Dies scheint ganz vergessen zu sein. [ mehr ]


Die Baustelle "HafenCity Universität" im Januar 2012 ...

[ Bilderschau ]

 
 
 

[ Ein Projekt von KiöR e.V. ]