Legende

... conhereos
... Ralf Jurszo
... Eva Ammermann
... Insa Winkler
... Claudia Behling
... Sophie Henriette Barniske
... Mathias Will
... Ulrich Mattes
... Soleyman Rahmati
... Tan Bartnitzki

... ach was


Bewegungskarte

Kalender (Archiv)

scripted islands

Anlandung
Abwege ausschildern
L´alimentation

Folgeprojekte

[ Impressum ] [ AS2012 ] [ Home ]



 
scripted islands

... hier finden Sie ab Mai 2012 die Dokumentation der choreografischen Inseln. Premiere haben die scripted islands bei der Eröffnungsveranstaltung des Hamburgischen Architektur Sommers, die auf dem Neubaugelände der HafenCity Universiät geplant war ...

Nun aber hat sich alles ganz anders gefügt: Die Baustelle ist nicht zu haben, denn der Verzug wäre nicht "kostenneutral" zu handhaben. Also wird umgezogen: In den Phönixhof, Ruhrstraße 11. Wir haben uns entsprechend für die gescriptete Insel "Eröffnung" präpariert ...

 

Baustelle HCU ... nun also nicht der richtige Rahmen ...

[1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8] [9] [10] [11

[ 2012-05-03 ] Anlandung

Memory Spiele sind ein Klassiker. Sie üben einerseits das Gedächtnis und fördern die Konzentration, dienen andererseits der Verbreitung kultureller Bilderwelten, aus denen sie - gerne thematisch - zusammengestellt werden und sind potentiell kommunikationsfördernd.

Der Normalfall sieht die Karten eines Memory Spiel mit dem Gesicht nach unten auf einer begrenzten Fläche verteilt, in einer mehr oder weniger systematischen Anordnung nebeneinander. Schon die Setzung dieser "Ordnung" zeigt eine Vorentscheidung über Vor- und Nachteil bei den Gewinnaussichten, noch bevor das eigentliche Spiel beginnt.

Das aufgelegte Kartenraster, die "Architektur" der Verteilung, fördert bestimmte Verhaltensformen. In rechten Winkeln zu einem regelmäßigen Muster gelegt, wird ein grundlegend anderer Spielansatz befördert, als durch das "chaotische" Verteilen der Karten in der Fläche. Für den einen ist die Regelmäßigkeit geeignetes Hilfsmittel für die dann abzählbare Erinnerungsleistung, für einen anderen bietet das unsortiert erscheinende Gesamtbild in seiner Einmaligkeit die besseren Anhaltspunkte. Schon hier wird deutlich: Zweierlei Fähigkeiten werden bedient - und lassen als Mnemo-Technik Parallelen zur "echten" Architektur aufzeigen, wie der folgende Bericht illustrieren mag:

Die regelmäßige Anordnung von Gebäuden mit weitläufigen und monotonen Abstandsflächen - so berichteten uns Erzieher_innen bei früheren Projekten - führt bei vielen Kindern dazu, dass sie sich bei Ausflügen in scheinbar chaotisch gewachsene Stadtteile schnell unwohl fühlen, sich wenig orientieren können und dort lieber nicht wünschen zuhause zu sein.

Die Bildwelten, die Memory Spiele in Umlauf bringen, sind Ausdruck des erzieherischen Anspruchs, der gewünschten ästhetischen Zurechnung, die "geübt" werden soll. Ein Impressionisten-Memory setzt völlig andere Schwerpunkte und damit "geistige Heimstatt" als ein Plattenbau-Memory. Kaum jemandem ist bewußt, dass bereits hier die kleinen Szenerien der sozialen "Selektion" beginnen, je nachdem, ob das Spiel aus dem (nicht grade preisgünstigen) Museumsshop oder von MacGeiz stammt.






Teilnehmer_innen:
Eva Ammermann, Tan Bartnitzki, Claudia Behling, Ulrich Mattes, Mirko Schwartz, Mathias Will

  In unserem Fall - der Performance "Anlandung" im Phönixhof - spielen die vorgenannten Aspekte eine wichtige Rolle:

Je komplexer die gesellschaftlichen Umgangs- und Kommunikationsformen und umso weniger kanonisch sie daherkommen, desto mehr Fläche bietet sich für falsche Dekodierungen. Falsch oder unzureichend Entschlüsseltes fällt dabei vielfach gar nicht auf, Missverständnisse bzgl. vermeintlicher Übereinkünfte kommen bisweilen erst langfristig zum tragen. Nie war es so schwierig, eine "Zielgruppe" mit klaren und einheitlichen Codes anzusprechen, "Verstehen" zu kalkulieren.

Die sogenannten QR-Codes (Quick-Response-Code - Foto 3) finden sich auf immer mehr Plakaten, Verpackungen, Aufklebern. Sie zeigen verschlüsselt entweder Text, eine Internetadresse (URL), eine Telefonnummer, einen SMS-Text oder Kontaktdaten. Wer mit seinem Smartphone und der entsprechenden App einen Code scannt, kann nicht vorhersagen, was sie oder ihn erwartet. Neben all den praktischen Marketing-Aspekten des QR-Codes, wie etwa Theaterkarten direkt bestellen, bietet das Verfahren eine unkalkulierbare Sicherheitslücke: Führt der Code den "User" zu einer Internetadresse, die Schad-Software downloadet, findet der Spaß ein schnelles Ende. Wer die technischen Voraussetzungen allerdings nicht besitzt, bleibt ganz außen vor - Innovationstechnologie als soziale Selektion und in diesem Falle auch Schutz vor unerwünschtem Zugriff auf Persönliches.

Bei unseren als Bestandteil der Performance von der Decke flatternden Code-Karten haben Sie nichts zu befürchten: Sie dienen einzig dem Spiel der Assoziationen, um die "Stehparty" dieser thematischen Veranstaltung mit weiteren Kommunikationsangeboten anzureichern.

Grundlage des üblichen Memory Spiels ist es, Pärchen zu finden. Dieses Prinzip haben wir für die Performance erweitert: Hier können sich Pärchen finden: Jeder QR-Code flattert genau zweimal in die Phönixhalle. - Wir wünschen viel Vergnügen.

Verflixte Symboltracht: Am 16. Mai präsentieren die HEUTE Nachrichten eine Angeklagte, die sich durch eine schwarze Lacktasche den Kameras zu entziehen sucht ...




Abbildungen (Fotos: Stilla Seis): Performance Galerie Phönixhof ... [ mehr ]
 

 
 
 

[ Ein Projekt von KiöR e.V. ]